2026-10-30, 20:00–21:00 (Europe/Berlin), Delphi Saal
Cyberpeace ist die Gegenposition zu Cyberkrieg und zur Digitalisierung des Kriegs überhaupt, Verschiedene Aspekte der Problematik werden im einstündigen Cyberpeace-Slam beleuchtet, der aus 4 Kurzvorträgen von je 7 Minuten besteht plus Diskussion.
Cyberpeace ist im engeren Sinne die Gegenposition zu allem, was unter Cyberkrieg subsumiert wird: Spionage, Sabotage, Propaganda, Desinformation, Destabilisierung und Terror mit den Mitteln der Digitalisierung und seit Neuestem der Künstlichen Intelligenz. Einzelne Cyberattacken können schon große Schäden anrichten. Im großen Maßstab und im Verbund mit Killerdrohnen oder selbst auch mit traditionellen Waffensystemen bilden sie eine besonders perfide Art der Kriegsführung. Die Forderung dagegen lautet kein Cyberkrieg, keine Digitalisierung des Kriegs, kein Krieg, sondern eine friedliche und für alle Menschen lebenswerte Welt. Cyberpeace umfasst deshalb auch den Weg zum Frieden im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung. Verschiedene Aspekte der Problematik werden im einstündigen Cyberpeace-Slam beleuchtet, der aus vier zugespitzten, unterhaltsam gestalteten und gern auch provokativen Kurzvorträgen von je 7 Minuten besteht plus gleich viel Zeit für Diskussion.
Die Protagonist:innen und Vorträge
Jennifer Menninger – Killerroboter stoppen. Zum Stand der Regulierung von autonomen Waffen
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Chance, in diesem Jahr Verhandlungen über einen rechtlich verbindlichen Vertrag zu autonomen Waffensystemen zu beginnen. Wo steht dieser Prozess aktuell? Welche Positionen blockieren Fortschritte, und wie können wir politischen Druck aufbauen, um eine internationale Regulierung zu erreichen?
Marieke Petersen und Wiebke Dönnebrink – Hackt kaputt, was euch kaputt macht?
Stell dir vor, du findest eine Software-Schwachstelle, meldest sie und eine Woche später steht die Polizei vor der Tür. Laptop, Telefon, smarter Kühlschrank und Raspberry Pi: beschlagnahmt. Willkommen bei Spaß mit §202c. In anderen Staaten in der EU ist ethisches Hacken bereits legal, in Deutschland wird das Thema auf die lange (Regierungs-)Bank geschoben. Wir (Gesellschaft für Informatik, LOAD und andere) haben daher Vorschläge entwickelt, wie ein reformiertes Computerstrafrecht aussehen kann, und wollen diese mit euch diskutieren.
Rainer Rehak – Schrödingers KI mit Todesfolge
KI-Systeme finden zunehmend Einsatz in bewaffneten Konflikten, etwa zur Zielauswahl im Gaza-Genozid durch Israel. Einerseits wird dann von hochmodernen „gezielten Tötungen“ oder „Präzisionsschlägen“ gesprochen, andererseits von ungenauen statistischen Blackbox-Systemen. Allerdings kann nicht beides gleichzeitig richtig sein – genau und ungenau. Der Kurzvortrag erläutert, wie der „KI“-Begriff offenbar strategisch mehrdeutig verwendet wird, um den KI-Einsatz einerseits zu rechtfertigen (Genauigkeit) und andererseits zivile Opfer als Ausnahmen und Fehler zu behandeln (Ungenauigkeit).
NN – <Titel wird demnächst bekannt gegeben>
Moderation: Hans-Jörg Kreowski und Margita Zallmann
Hans-Jörg Kreowski ist Professor (i.R.) für Theoretische Informatik an der Universität Bremen. Neben der theoretischen Fundierung der Informatik hat er sich seit seinem Studium auch in Wort und Schrift mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Wissenschaft auseinandergesetzt, wobei die Verflechtung von Informatik und Rüstung einen Schwerpunkt bildet. Er ist Gründungsmitglied des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), seit langem Mitglied im Vorstand, und von 2003 bis 2009 war er auch dessen Vorsitzender. Er ist Redaktionsmitglied der FIfF-Kommunikation, vertritt das FIfF im Vorstand der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden und ist seit 2013 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, wo er zusammen mit Wolfgang Hofkirchner den Arbeitskreis Emergente Systeme, Information und Gesellschaft organisiert. Von 2019 bis 2022 war er außerdem Mitherausgeber des Grundrechte-Reports. Er arbeitet mit im Arbeitskreis „Gegen bewaffnete Drohnen“ und in der Cyberpeace-Kampagne.
Jennifer Menninger ist freiberufliche Expertin für Friedens- und Sicherheitspolitik. Sie beschäftigt sich vor allem mit feministischen Perspektiven zu Abrüstung, Frieden und Digitalisierung.
Rainer Rehak ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe „Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Teilhabe“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und promovierte an der TU Berlin zu gesellschaftlicher Systemgestaltung, systemischer IT-Sicherheit und kollektivem Datenschutz.
Er studierte Informatik und Philosophie in Berlin und Hong Kong und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit den Implikationen der Computerisierung der Gesellschaft. Seine Forschungsfelder sind Technikfolgenabschätzung, kollektiver Datenschutz, systemische IT-Sicherheit, staatliches Hacking, Informatik und Ethik, Technikfiktionen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, konviviale und demokratische Digitaltechnik, epistemische Grundlagen von Automatisierung, digitaler (De-)Kolonialismus, sowie die Implikationen und Grenzen von KI-Systemen.
Er publiziert zudem regelmäßig auch in nicht-wissenschaftlichen Medien und ist Sachverständiger für Parlamente (z. B. den Deutschen Bundestag) und Gerichte (z. B. das Bundesverfassungsgericht). Er initiierte gemeinsam mit anderen Digitalpolitik- sowie Umweltorganisationen die „Bits & Bäume“-Konferenzreihe für Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Rainer Rehak ist Ko-Vorsitz des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF).
Wiebke Dönnebrink ist Referentin bei der Gesellschaft für Informatik, wo sie sich vorrangig für mehr Cybersicherheit im KRITIS-Bereich, Datenschutz und einen kritischen Blick auf KI einsetzt. Sie hat Krisen- und Sicherheitsmanagement für Cybersicherheit studiert und freut sich immer über die Entdeckung einer neuen Open Source-Anwendung.
Marieke Petersen ist studierte Sicherheitswissenschaftlerin und über Cybersecurity zur Netzpolitik gelangt. Sie stellt sich die Frage, wie Digitalisierung für den Menschen gemacht werden kann: Inklusiv, nachhaltig und sicher. Ziel dabei ist es, die digitale Souveränität Einzelner und einer Gemeinschaft zu gewährleisten.
Margita Zallmann ist Informatikerin und Volkswirtin. Sie ist seit Ende 2023 Mitglied im Vorstand des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung und beteiligt sich an der Cyberpeace-Kampagne des FIfF. Ihre weiteren politischen Interessen gelten insbesondere dem Umwelt- und Klimaschutz.