2026-10-31, 18:30–19:15 (Europe/Berlin), Delphi Saal
In einem Vortrag (25 min) wollen wir unsere Erfahrungen mit analoger und digitaler anarchistischer Organisierung aus 35 Jahren anhand ausgewählter Beispiele reflektieren und damit die zugrundeliegenden Konzepte hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit einordnen. Anschließend wollen wir darüber auch in den Austausch kommen und Ansätze für Weiterentwicklungen diskutieren (20 min). Dabei möchten wir den Fokus unter Anderem darauf legen, wie sich analoge Organisierung mit der digitalen Entwicklung verändert hat und was sich daraus für den weiteren Digitalisierungprozess lernen lässt.
Anarchistische Organisierung verknüpft eine große Vielfalt von Ansätzen und Methoden. Dabei ist insbesondere das konstruktive Wechselspiel von Theorie und Praxis von großer Bedeutung. Aus theoretischen Konzepten werden mehr oder weniger stringent praktische Methoden abgeleitet und diese dann rekursiv weiterentwickelt. Dafür ist es oft sinnvoll, anfangs keine allzu konkrete Zielvorstellung zu haben, um in der Praxis möglichst umfassende Mittel-Zweck-Kongruenz realisieren zu können.
Unserer Meinung nach ist darüber auch ein enormes transformatives Potential vorhanden, da beobachtet werden kann, dass viele Menschen in bestimmten Situationen bzw. Kontexten im Widerspruch zur vorherrschenden Politik anarchistisch denken. Wie kann der momentane Kenntnisstand für eine umfangreichere Anarchisierung genutzt werden und wie können mit diesem Bewusstsein kollektiv resiliente Strukturen manifestiert werden, um nachhaltig ein gutes Leben in der Polykrise zu ermöglichen? Welche praktischen Organisierungskonzepte lassen sich - und wenn ja, wie - allgemeiner verbreiten? Wie schaffen wir es dem derzeitigen gesellschaftlichen Diskurs eine gut verständliche und plausible positive Zukunftserzählung entgegenzusetzen, die auf solidarischem Miteinander aufbaut und Unterschiede als Chance begreift?
Welche gesellschaftlichen Entwicklungen sind im fortschreitenden Kollaps zu erwarten und welchen Einfluß haben diese auf die Weiterentwicklung anarchistischer Organisierung? Wie können wir gut mit dem damit verbundenen emotionalen Stress (z. B. Ängste und Hoffnungsverlust) umgehen und Resilienz entwickeln? Wie steht uns unsere ansozialisierte Bequemlichkeit dabei im Weg? Was hilft uns in Zeiten zunehmend faschistoider Repression, um weiter arbeiten zu können und Gegenentwürfe anzubieten? Dazu wollen wir auch einige Erkenntnisse aus der Kollapsbewegung vorstellen und diskutieren.
Wir hoffen, mit der Veranstaltung einige positive Denkimpulse, Inspiration und mehr Klarheit hinsichtlich strategischer Förderungen und Forderungen generieren zu können.
Ich blicke auf 35 Jahre Arbeit und Leben in selbstverwalteten anarchistischen Strukturen zurück.
Was mit Hausbesetzungen Anfang der 90ger Jahre begonnen hat, ist nun ein Leben auf einem Wagenplatz und eine Arbeit beim selbstverwalteten freien Radio Corax in Halle/Saale geworden.
Politische Arbeit und politischer Aktivismus zieht sich durch mein Leben.
Ein anderes Leben ist für mich nicht vorstellbar.
Selbst ständig Wissen Schaffender