FIfFKon42 - Keine Panik! Resilienz in der Polykrise

Die materielle Kehrseite der Digitalisierung – und wie wir sie reparieren und vor Ort Reparaturinfrastruktur für alle und alles aufbauen
2026-10-31, 14:30–15:15 (Europe/Berlin), Delphi Saal

Jedes Smartphone, jedes Rechenzentrum, jede KI-Anwendung hat eine Kehrseite: Rohstoffe, Energie, Elektroschrott. Während „digitale Resilienz" meist als Frage von mehr Technologie verhandelt wird, schauen wir auf die Materialität und fragen, welche Infrastruktur es braucht, um da rauszukommen und danach, was Nachbarschaften in der Polykrise tatsächlich widerstandsfähig macht. Unsere These: kooperativ getragene, dezentrale Infrastrukturen der Reparatur, Wiederverwendung, Kreislaufwirtschaft als Grundversorgung, gerne rechtlich und kommunal dauerhaft verankert. Reparatur ist kein Nischenthema, sondern handfeste IT- und Ressourcenpolitik.


Der Beitrag verbindet Forschung und Praxis: das RIFS Discussion Paper „Dare to Design for Disaster" (Mieulet/Jerchel 2026) und den Betrieb eines Reparatur- und Leihladens (Kreisler e.V.) in der Berliner Gropiusstadt. Reparatur, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft begreifen wir dabei nicht als Nischenthema, sondern als netz- und ressourcenpolitisches Handlungsfeld der Daseinsvorsorge.
Im Zentrum steht die Frage, wie Multistakeholder-Arrangements – Public-Civic-Partnerships – Reparaturinfrastruktur tragfähig machen. Der Vergleich Frankreich/Deutschland zeigt, wie weit derselbe EU-Rechtsrahmen in der Umsetzung auseinanderlaufen kann: Frankreich verschränkt Herstellerverantwortung, öffentliche Hand und lokale Trägerstrukturen so, dass Reparatur tatsächlich in die Fläche kommt – getragen von vielen Schultern statt von einzelnen Initiativen. Genau hier liegt der Hebel: Wo Public-Civic-Partnerships die Verantwortung verteilen und dauerhafte Finanzierung ermöglichen, wird resiliente Low-Tech-Infrastruktur vor Ort verankert, gemeinsam getragen und andernorts replizierbar – als konkreter Weg in eine Circular Society.
Ca. 25 Min. Input, der von der materiellen Kehrseite der Digitalisierung über den Vergleich Frankreich/Deutschland bis zur Praxis von Kreisler führt – gefolgt von 20 Min. moderierter Diskussion entlang der Leitfrage „Wie organisieren wir Reparatur als verlässliche, kommunal-kooperativ finanzierte Daseinsvorsorge?". Die Diskussion ist bewusst anschlussfähig an ein offenes Podium gedacht.

Cléo Mieulet war 2025/2026 Senior Fellow am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) Potsdam und ist Resilienzagentin der Designagentur NEW STANDARD.S. Sie mit Mitgründerin des Social Franchise KREISLER in Berlin-Neukölln, das einen Verbund von Nachbarschaftsläden mit Leih- und Reparaturinfrastruktur schafft. Sie wirkt mit im Verbund Kooperatives Wirtschafen Deutschland und RIPESS. Sie ist Mitglied des CSX-Netzwerks e.V. für Gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften.

Paul Jerchel ist Vorstandsmitglied des Instituts für Unternehmensdemokratie, das genossenschaftliche Nachfolgen durch Belegschaften begleitet. Im Rahmen der Schriftenreihe RIFS Discussion Papers erschien von ihm zuletzt "Commons -Public Partnerships. Neue Kooperationsformen für die sozialökologische Transformation" (mit Judith Pape, 2022). Er ist Mitglied des CSX-Netzwerks e.V. für Gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften.