FIfFKon42 - Keine Panik! Resilienz in der Polykrise
Ankommen, Heißgetränk und gute Kekse
Willkommen im Delphi
Dieser Vortrag versteht sich als Einladung und Ermutigung, sich zu engagieren und je nach fachlichem Blickwinkel Beiträge zu leisten, die in der Gesamtheit zu einer stimmigen Vision für die Zukunft führen und sich als Grundlage für weitere Aktionen eignen.
Keynote von Constanze Kurz, Beirat des FIfF
Kurz Luft holen
Cyberpeace ist die Gegenposition zu Cyberkrieg und zur Digitalisierung des Kriegs überhaupt, Verschiedene Aspekte der Problematik werden im einstündigen Cyberpeace-Slam beleuchtet, der aus 4 Kurzvorträgen von je 7 Minuten besteht plus Diskussion.
A symphony of elements in the earthly realms, consciously disrupting human manufactured chaos.
Austausch mit Musik.
Wiederkommen, Kaffee und wieder gutes Gebäck.
Das Kernproblem von IT-Systemen und damit auch KI ist Größe bzw. Komplexität, aber es geht ja auch anders.
Der Beitrag untersucht die Bezahlkarte für Asylsuchende als digitale Zahlungsinfrastruktur und analysiert die Zusammenarbeit staatlicher Behörden mit globalen Zahlungsunternehmen. Er zeigt, wie finanzielle Infrastrukturen zu Instrumenten migrationspolitischer Kontrolle werden und erweitert Debatten über Digitalisierung und Autokratisierung um die politische Rolle globaler Zahlungsunternehmen.
Päuschen für Käffchen und Kekschen
Rechenzentren (RZ) sind das physische Rückgrat vieler digitaler Anwendungen. Sie stehen an der Schnittstelle von Digitalisierung, Energieversorgung, Klimawandel, globalen Lieferketten und Sicherheitspolitik (Edwards et al., 2024). An Rechenzentren werden die Dynamiken der Polykrise besonders deutlich: Energieengpässe verteuern den energieintensiven Betrieb und erschweren gleichzeitig Klimaschutzmaßnahmen. Steigende Temperaturen und zunehmende Hitzeperioden erhöhen den Kühlbedarf von Servern und damit auch den Strom- und Wasserverbrauch. Zudem konkurrieren große RZ mit ihrem hohen Energie- und Wasserbedarf direkt mit den Bedürfnissen lokaler Akteur:innen und der Zivilgesellschaft. Störungen globaler Lieferketten und Handelseinschränkungen durch geopolitische Konflikte wirken sich auf die Verfügbarkeit von Hardware und Ersatzteilen sowie auf Cyberrisiken aus.
RZ sind Orte, an denen sich die Machtkonzentration einiger weniger Big-Tech-Unternehmen materialisiert (Brodie, 2023). Sie kontrollieren große Teile der digitalen Wertschöpfungskette, von Daten über Algorithmen und Plattformen bis hin zur Recheninfrastruktur. Technologien und damit verbundene konventionelle Infrastrukturansätze von Big-Tech-Unternehmen tragen zur Rationalisierung und Verfestigung bestehender Herrschaftsstrukturen bei (Weizenbaum, 1978). Dabei sind die gesellschaftlichen Kosten und Nutzen von RZ weitestgehend ungleich verteilt. Lokale Gemeinden und Bürger:innen tragen häufig die direkten Umweltfolgen (Rehak, 2024), während die finanziellen Gewinne bei den Unternehmen und steuerlich anderswo anfallen.
International formieren sich zunehmend Proteste gegen den Ausbau großer RZ. Allein in den USA beteiligen sich mittlerweile fast eine halbe Million Menschen an Protesten gegen RZ. Aber auch andernorts wie beispielsweise in Marseille, Dublin, Aragón und Ceará organisieren sich Bürger:innen (Dachwitz und Vorkul 2026). Auch in Deutschland nimmt der Widerstand gegen geplante Rechenzentren zu. Der Fall Maintal verdeutlicht exemplarisch, dass sich die Konflikte nicht auf die Infrastruktur beschränken, sondern Fragen der Energieversorgung, Umweltbelastung, kommunaler Mitbestimmung und demokratischer Legitimation betreffen (Ronge 2026).
Während viele Regierungen gerade erst den Regulierungsbedarf gegenüber RZ begreifen, haben sich über Jahre weltweit bereits diverse, gemeinschaftlich getragene RZ etabliert. Diese werden in diesem Beitrag unter dem Begriff Community Data Center (CDCe) zusammengefasst und als potenzielle Alternative zu den von Big-Tech-Unternehmen geprägten oligopolistischen Strukturen untersucht. Dennoch bleiben gemeinschaftlich getragene RZ bislang eine Nischenerscheinung und ihre Ausgestaltungsformen sind kaum systematisch erfasst. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung für diesen Beitrag: Welche Gestaltungsmerkmale gemeinschaftlicher Rechenzentren lassen sich konzeptionell und empirisch identifizieren, und welche Potenziale und Grenzen weisen sie im Umgang mit den Dynamiken der Polykrise auf?
Zur Beantwortung dieser Frage erfolgt die Analyse in zwei Schritten. Erstens wird ein Möglichkeitsraum der Gestaltungsmerkmale für CDCe konstruiert, der die Bandbreite möglicher Ausprägungen systematisch beschreibt. Dieser Möglichkeitsraum leitet sich aus der Analyse realer Fallbeispiele (wie WOBCOM, dem feministischen Serverkollektiv actinomy in Bremen, Dataport in Norddeutschland und der Genossenschaft GAD eG) sowie aus 34 idealtypischen CDCe-Modellen ab, die im Rahmen partizipativer Workshops mit 130 Menschen erarbeitet wurden. Zweitens evaluieren wir kritisch, ob und inwiefern CDCe den Auswirkungen und krisenverstärkenden Dynamiken der Polykrise in lokalen Gemeinschaften entgegenwirken können.
Ziel des Beitrags ist die Entwicklung eines konzeptionellen Möglichkeitsraums gemeinschaftlicher Rechenzentren. Die resultierende Taxonomie schafft einen analytischen Rahmen, um unterschiedliche CDCe-Modelle hinsichtlich ihrer Potenziale und Grenzen im Umgang mit den Dynamiken der Polykrise systematisch zu vergleichen. Dadurch werden unterschiedliche Governance-, Eigentums- und Infrastrukturmodelle gemeinschaftlicher Rechenzentren sowie ihre jeweiligen Resilienzpotenziale systematisch vergleichbar gemacht. Zugleich macht sie sichtbar, unter welchen Bedingungen CDCe einen Beitrag zum Abbau bestehender Machtasymmetrien in der digitalen Infrastruktur leisten können.
Literaturverzeichnis
Brodie, P. (2023). Data infrastructure studies on an unequal planet. Big Data & Society, 10(1), 20539517231182402. https://doi.org/10.1177/20539517231182402
Edwards, D., Cooper, Z. G. T., & Hogan, M. (2025). The making of critical data center studies. Convergence: The International Journal of Research into New Media Technologies, 31(2), 429–446. https://doi.org/10.1177/13548565231224157
Rehak, R. (2024, September 30). On the (im)possibility of sustainable artificial intelligence. Internet Policy Review. https://policyreview.info/articles/news/impossibility-sustainable-artificial-intelligence/1804
Ronge, M. (2026, May 11). Planänderung bei Rechenzentrum in Maintal. hessenschau.de. https://www.hessenschau.de/wirtschaft/rechenzentrum-in-maintal-proteste-bringen-projekt-ins-stocken-v2,maintal-rechenzentrum-gestoppt-100.html
Vorkul, L., & Dachwitz, I. (2026). Rechenzentren sind Vampire: Wo sich lokaler Widerstand gegen den KI-Hype formiert. netzpolitik.org. https://netzpolitik.org/2026/rechenzentren-sind-vampire-wo-sich-lokaler-widerstand-gegen-den-ki-hype-formiert/
Weizenbaum, J. (2023). Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft (16. Aufl., U. Rennert, Übers.). Suhrkamp. (Originalwerk erschienen 1976)
Mit dem Ziel, Jugendliche zu schützen, führt nach Neuseeland auch Frankreich ein Verbot von Social Media für junge Menschen ein. Weitere Länder wollen nachziehen, auch Deutschland diskutiert. Kritiker*innen halten dagegen: Statt Verboten brauche es Plattformen, die Menschen, und insbesondere Jugendlichen, nicht schaden.
Wo steht das Fediverse in diesem Spannungsfeld? Als digital-souverän gehandelte und dezentrale Alternative zu Big-Tech-Monopolen kommt es ohne Empfehlungsalgorithmen und Werbung aus. Müsste es also nicht Teil der Lösung sein? Bisher taucht das Fediverse in der Debatte zu Social Media und Jugendschutz jedoch kaum auf. Dabei wäre es eine gute Gelegenheit, das Fediverse stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, seine Vorteile gegenüber Big Tech zu zeigen und gleichzeitig offene Fragen der Gestaltung anzugehen. Was ließe sich bei der derzeit dezentralen Architektur mit verteilten und plattformeigenen Regeln und komplexer Governance überhaupt an gesetzlichen Vorlagen umsetzen? Gibt es möglicherwise schon praktikable Lösungen auf einzelnen Instanzen, von denen sich lernen lässt?
Genau das wollen wir in einem partizipativen Workshop erörtern. Ein kurzer Impuls stellt eine Studie zu über 15.000 Fediverse-Instanzen und ihren Regeln und Moderationspraktiken mit Fokus auf Hate Speech und Misinformation vor, um einen Überblick über den Status quo zu geben. Anschließend gehen wir mit euch ins Gespräch darüber, welche Rolle das Fediverse überhaupt einnehmen kann oder sollte. Will bzw. sollte es überhaupt jugendfreundlich sein? Wenn ja, wie jugendfreundlich ist es jetzt schon? Und welche technischen oder theoretischen Möglichkeiten gäbe es, um Jugendschutz im Fediverse zu gewährleisten?
Auch wenn wir nicht auf alle Fragen Antworten finden werden, wollen wir herausarbeiten, welche Rolle das Fediverse im Bezug auf Jugendschutz einnehmen könnte oder sollte. Daraus lassen sich konkrete Forderungen des FIfF an die Politik darüber ableiten, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten.
Austausch und Schmaus.
In diesem Workshop mit partizipativen Elementen geht es um Schreiben als Trotz und Schreiben als Widerstand – gerade in der Informatik. Die zentrale Frage, die wir bearbeiten und in die Diskussionen mitnehmen werden, ist dabei:
Wie kann das Schreiben als Denktechnik für die Informatik nutzbar gemacht werden?
Jedes Smartphone, jedes Rechenzentrum, jede KI-Anwendung hat eine Kehrseite: Rohstoffe, Energie, Elektroschrott. Während „digitale Resilienz" meist als Frage von mehr Technologie verhandelt wird, schauen wir auf die Materialität und fragen, welche Infrastruktur es braucht, um da rauszukommen und danach, was Nachbarschaften in der Polykrise tatsächlich widerstandsfähig macht. Unsere These: kooperativ getragene, dezentrale Infrastrukturen der Reparatur, Wiederverwendung, Kreislaufwirtschaft als Grundversorgung, gerne rechtlich und kommunal dauerhaft verankert. Reparatur ist kein Nischenthema, sondern handfeste IT- und Ressourcenpolitik.
Get together mit Heißgetränken und guten Keksen.
Verleihung Weizenbaum-Studienpreise
FIfF-Jahresrückblick 2026
Veganes Abendessen in jedem Ticket enthalten.
In einem Vortrag (25 min) wollen wir unsere Erfahrungen mit analoger und digitaler anarchistischer Organisierung aus 35 Jahren anhand ausgewählter Beispiele reflektieren und damit die zugrundeliegenden Konzepte hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit einordnen. Anschließend wollen wir darüber auch in den Austausch kommen und Ansätze für Weiterentwicklungen diskutieren (20 min). Dabei möchten wir den Fokus unter Anderem darauf legen, wie sich analoge Organisierung mit der digitalen Entwicklung verändert hat und was sich daraus für den weiteren Digitalisierungprozess lernen lässt.
Leser*innen von SciFi und Fantasy fragen sich inzwischen regelmäßig, ob sie nicht fälschlicherweise in ihrer Lieblingsdystopie aufgewacht sind: Überwachungstechnik und Predictive Policing, manipulierende Algorithmen und und frei-drehende KI-Agenten wollten wir eigentlich nur aus 1984, „Schöne Neue Welt“ und Minority Report erfahren. Jetzt sehen wir aber, wie Technik entwickelt und teilweise als Heilsversprechen für eine bessere Zukunft verkauft wird. Eigentlich fehlt nur noch der Todesstern, um die Liste abzuschließen. Nun könnten wir die Decke über den Kopf ziehen und uns in eine glückliche Fantasy-Welt träumen, in der Ringe vernichtet oder Kinder durch Schränke klettern. Oder wir erträumen uns selbst eine Welt, in der wir die Probleme des Jetzt lösen können, ob mit oder ohne technische Hilfsmittel sei dahingestellt. Wir wollen daher überlegen, wie eine mögliche Zukunft aussehen kann und wie man diese mittels einer Zukunftsreise erreichen kann. Dabei suchen wir mit den Teilnehmenden nach den notwendigen Akteuren und Stellschrauben, die für die Erreichung notwendig sein werden. Unser Ziel: Einen (vagen) Fahrplan Richtung Utopia entwickeln.
Postmoderner Chanson und Gossenbossanova, mit Anklängen an die goldenen 20er, mit Texten aus dem depressiven frühen 21. Jahrhundert, wie Brecht und Ketamin.
Wiedersehen am Sonntag früh mit Kaffee und den besten Keksen der Stadt.
Das Erstarken vom Faschismus und der AfD stellt den Journalismus vor Herausforderungen. Zu meistern sind diese nur mit antifaschistischem Journalismus.
Zivile Verteidigung ist eine gesamtstaatliche, aber kommunal umgesetzte Aufgabe – und hängt an der oft übersehenen digitalen Handlungsfähigkeit der Verwaltung, ohne die keines der vier Felder ziviler Verteidigung funktioniert. Aktuelle Zahlen zu Schwachstellen, Cybercrime und Ransomware-Angriffen belegen die Dringlichkeit, ohne dass daraus bislang systematisch Konsequenzen abgeleitet werden. Der Vortrag schlägt dafür ein partizipatives, dreiphasiges Dialogformat vor (Lagefeststellung, Risikobewertung, prototypische Umsetzung), das auf den Prinzipien Resilienz, Vigilanz und Bottom-up-Innovation beruht und Wissenschaft, Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft systematisch zusammenbringt. Die zugrunde liegende Haltung: Resilienz ist keine Ausnahmeaufgabe, sondern gelebte Daseinsvorsorge, die nur durch geübte Praxis, Evidenzbasierung, Subsidiarität und strukturelle Lernfähigkeit trägt – Vorbereitung statt Improvisation als Maßstab staatlicher Handlungsfähigkeit. Daraus resultieren Forderungen an Verwaltung, Gesetzgebung sowie Wissenschaft und Praxis, solche Formate zu verstetigen und in verbindliche Standards zu überführen.
Flammender Aufbruch
Verschnaufpause
Mitgliederversammlung