FIfFKon42 - Keine Panik! Resilienz in der Polykrise

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09:30
09:30
30min
Ankommen
Paula Menzel

Wiederkommen, Kaffee und wieder gutes Gebäck.

Pause
Delphi Saal
10:00
10:00
20min
Small AI – Über die Vorteile kleiner IT-Systeme
Rainer Rehak

Das Kernproblem von IT-Systemen und damit auch KI ist Größe bzw. Komplexität, aber es geht ja auch anders.

Programm
Delphi Saal
10:20
10:20
20min
Digitale Zahlungsinfrastrukturen und die politische Ökonomie der Bezahlkarte für Asylsuchende in Deutschland
Alexandra Keiner

Der Beitrag untersucht die Bezahlkarte für Asylsuchende als digitale Zahlungsinfrastruktur und analysiert die Zusammenarbeit staatlicher Behörden mit globalen Zahlungsunternehmen. Er zeigt, wie finanzielle Infrastrukturen zu Instrumenten migrationspolitischer Kontrolle werden und erweitert Debatten über Digitalisierung und Autokratisierung um die politische Rolle globaler Zahlungsunternehmen.

Programm
Delphi Saal
10:40
10:40
20min
Kekschenpause

Päuschen für Käffchen und Kekschen

Pause
Delphi Saal
11:00
11:00
45min
Common Ground, Common Cloud – Community Data Center als Antwort auf Machtasymmetrien und Polykrise
Oliver Meurer, Tara Merk, André Ullrich

Rechenzentren (RZ) sind das physische Rückgrat vieler digitaler Anwendungen. Sie stehen an der Schnittstelle von Digitalisierung, Energieversorgung, Klimawandel, globalen Lieferketten und Sicherheitspolitik (Edwards et al., 2024). An Rechenzentren werden die Dynamiken der Polykrise besonders deutlich: Energieengpässe verteuern den energieintensiven Betrieb und erschweren gleichzeitig Klimaschutzmaßnahmen. Steigende Temperaturen und zunehmende Hitzeperioden erhöhen den Kühlbedarf von Servern und damit auch den Strom- und Wasserverbrauch. Zudem konkurrieren große RZ mit ihrem hohen Energie- und Wasserbedarf direkt mit den Bedürfnissen lokaler Akteur:innen und der Zivilgesellschaft. Störungen globaler Lieferketten und Handelseinschränkungen durch geopolitische Konflikte wirken sich auf die Verfügbarkeit von Hardware und Ersatzteilen sowie auf Cyberrisiken aus.
RZ sind Orte, an denen sich die Machtkonzentration einiger weniger Big-Tech-Unternehmen materialisiert (Brodie, 2023). Sie kontrollieren große Teile der digitalen Wertschöpfungskette, von Daten über Algorithmen und Plattformen bis hin zur Recheninfrastruktur. Technologien und damit verbundene konventionelle Infrastrukturansätze von Big-Tech-Unternehmen tragen zur Rationalisierung und Verfestigung bestehender Herrschaftsstrukturen bei (Weizenbaum, 1978). Dabei sind die gesellschaftlichen Kosten und Nutzen von RZ weitestgehend ungleich verteilt. Lokale Gemeinden und Bürger:innen tragen häufig die direkten Umweltfolgen (Rehak, 2024), während die finanziellen Gewinne bei den Unternehmen und steuerlich anderswo anfallen.
International formieren sich zunehmend Proteste gegen den Ausbau großer RZ. Allein in den USA beteiligen sich mittlerweile fast eine halbe Million Menschen an Protesten gegen RZ. Aber auch andernorts wie beispielsweise in Marseille, Dublin, Aragón und Ceará organisieren sich Bürger:innen (Dachwitz und Vorkul 2026). Auch in Deutschland nimmt der Widerstand gegen geplante Rechenzentren zu. Der Fall Maintal verdeutlicht exemplarisch, dass sich die Konflikte nicht auf die Infrastruktur beschränken, sondern Fragen der Energieversorgung, Umweltbelastung, kommunaler Mitbestimmung und demokratischer Legitimation betreffen (Ronge 2026).
Während viele Regierungen gerade erst den Regulierungsbedarf gegenüber RZ begreifen, haben sich über Jahre weltweit bereits diverse, gemeinschaftlich getragene RZ etabliert. Diese werden in diesem Beitrag unter dem Begriff Community Data Center (CDCe) zusammengefasst und als potenzielle Alternative zu den von Big-Tech-Unternehmen geprägten oligopolistischen Strukturen untersucht. Dennoch bleiben gemeinschaftlich getragene RZ bislang eine Nischenerscheinung und ihre Ausgestaltungsformen sind kaum systematisch erfasst. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung für diesen Beitrag: Welche Gestaltungsmerkmale gemeinschaftlicher Rechenzentren lassen sich konzeptionell und empirisch identifizieren, und welche Potenziale und Grenzen weisen sie im Umgang mit den Dynamiken der Polykrise auf?
Zur Beantwortung dieser Frage erfolgt die Analyse in zwei Schritten. Erstens wird ein Möglichkeitsraum der Gestaltungsmerkmale für CDCe konstruiert, der die Bandbreite möglicher Ausprägungen systematisch beschreibt. Dieser Möglichkeitsraum leitet sich aus der Analyse realer Fallbeispiele (wie WOBCOM, dem feministischen Serverkollektiv actinomy in Bremen, Dataport in Norddeutschland und der Genossenschaft GAD eG) sowie aus 34 idealtypischen CDCe-Modellen ab, die im Rahmen partizipativer Workshops mit 130 Menschen erarbeitet wurden. Zweitens evaluieren wir kritisch, ob und inwiefern CDCe den Auswirkungen und krisenverstärkenden Dynamiken der Polykrise in lokalen Gemeinschaften entgegenwirken können.
Ziel des Beitrags ist die Entwicklung eines konzeptionellen Möglichkeitsraums gemeinschaftlicher Rechenzentren. Die resultierende Taxonomie schafft einen analytischen Rahmen, um unterschiedliche CDCe-Modelle hinsichtlich ihrer Potenziale und Grenzen im Umgang mit den Dynamiken der Polykrise systematisch zu vergleichen. Dadurch werden unterschiedliche Governance-, Eigentums- und Infrastrukturmodelle gemeinschaftlicher Rechenzentren sowie ihre jeweiligen Resilienzpotenziale systematisch vergleichbar gemacht. Zugleich macht sie sichtbar, unter welchen Bedingungen CDCe einen Beitrag zum Abbau bestehender Machtasymmetrien in der digitalen Infrastruktur leisten können.

Literaturverzeichnis

Brodie, P. (2023). Data infrastructure studies on an unequal planet. Big Data & Society, 10(1), 20539517231182402. https://doi.org/10.1177/20539517231182402

Edwards, D., Cooper, Z. G. T., & Hogan, M. (2025). The making of critical data center studies. Convergence: The International Journal of Research into New Media Technologies, 31(2), 429–446. https://doi.org/10.1177/13548565231224157

Rehak, R. (2024, September 30). On the (im)possibility of sustainable artificial intelligence. Internet Policy Review. https://policyreview.info/articles/news/impossibility-sustainable-artificial-intelligence/1804

Ronge, M. (2026, May 11). Planänderung bei Rechenzentrum in Maintal. hessenschau.de. https://www.hessenschau.de/wirtschaft/rechenzentrum-in-maintal-proteste-bringen-projekt-ins-stocken-v2,maintal-rechenzentrum-gestoppt-100.html

Vorkul, L., & Dachwitz, I. (2026). Rechenzentren sind Vampire: Wo sich lokaler Widerstand gegen den KI-Hype formiert. netzpolitik.org. https://netzpolitik.org/2026/rechenzentren-sind-vampire-wo-sich-lokaler-widerstand-gegen-den-ki-hype-formiert/

Weizenbaum, J. (2023). Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft (16. Aufl., U. Rennert, Übers.). Suhrkamp. (Originalwerk erschienen 1976)

Programm
Delphi Saal
11:45
11:45
45min
Dezentraler Jugendschutz im Fediverse?
Dorian Wachsmann, Mareike Lisker

Mit dem Ziel, Jugendliche zu schützen, führt nach Neuseeland auch Frankreich ein Verbot von Social Media für junge Menschen ein. Weitere Länder wollen nachziehen, auch Deutschland diskutiert. Kritiker*innen halten dagegen: Statt Verboten brauche es Plattformen, die Menschen, und insbesondere Jugendlichen, nicht schaden.

Wo steht das Fediverse in diesem Spannungsfeld? Als digital-souverän gehandelte und dezentrale Alternative zu Big-Tech-Monopolen kommt es ohne Empfehlungsalgorithmen und Werbung aus. Müsste es also nicht Teil der Lösung sein? Bisher taucht das Fediverse in der Debatte zu Social Media und Jugendschutz jedoch kaum auf. Dabei wäre es eine gute Gelegenheit, das Fediverse stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, seine Vorteile gegenüber Big Tech zu zeigen und gleichzeitig offene Fragen der Gestaltung anzugehen. Was ließe sich bei der derzeit dezentralen Architektur mit verteilten und plattformeigenen Regeln und komplexer Governance überhaupt an gesetzlichen Vorlagen umsetzen? Gibt es möglicherwise schon praktikable Lösungen auf einzelnen Instanzen, von denen sich lernen lässt?

Genau das wollen wir in einem partizipativen Workshop erörtern. Ein kurzer Impuls stellt eine Studie zu über 15.000 Fediverse-Instanzen und ihren Regeln und Moderationspraktiken mit Fokus auf Hate Speech und Misinformation vor, um einen Überblick über den Status quo zu geben. Anschließend gehen wir mit euch ins Gespräch darüber, welche Rolle das Fediverse überhaupt einnehmen kann oder sollte. Will bzw. sollte es überhaupt jugendfreundlich sein? Wenn ja, wie jugendfreundlich ist es jetzt schon? Und welche technischen oder theoretischen Möglichkeiten gäbe es, um Jugendschutz im Fediverse zu gewährleisten?

Auch wenn wir nicht auf alle Fragen Antworten finden werden, wollen wir herausarbeiten, welche Rolle das Fediverse im Bezug auf Jugendschutz einnehmen könnte oder sollte. Daraus lassen sich konkrete Forderungen des FIfF an die Politik darüber ableiten, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten.

Programm
Delphi Saal
12:30
12:30
60min
Mittagspause

Austausch und Schmaus.

Pause
Delphi Saal
13:30
13:30
60min
Schreiben jenseits von LLMs als Denktechnik in der Informatik
Paola Lopez

In diesem Workshop mit partizipativen Elementen geht es um Schreiben als Trotz und Schreiben als Widerstand – gerade in der Informatik. Die zentrale Frage, die wir bearbeiten und in die Diskussionen mitnehmen werden, ist dabei:
Wie kann das Schreiben als Denktechnik für die Informatik nutzbar gemacht werden?

Programm
Delphi Saal
14:30
14:30
45min
Die materielle Kehrseite der Digitalisierung – und wie wir sie reparieren und vor Ort Reparaturinfrastruktur für alle und alles aufbauen
Cléo Mieulet, Paul Jerchel

Jedes Smartphone, jedes Rechenzentrum, jede KI-Anwendung hat eine Kehrseite: Rohstoffe, Energie, Elektroschrott. Während „digitale Resilienz" meist als Frage von mehr Technologie verhandelt wird, schauen wir auf die Materialität und fragen, welche Infrastruktur es braucht, um da rauszukommen und danach, was Nachbarschaften in der Polykrise tatsächlich widerstandsfähig macht. Unsere These: kooperativ getragene, dezentrale Infrastrukturen der Reparatur, Wiederverwendung, Kreislaufwirtschaft als Grundversorgung, gerne rechtlich und kommunal dauerhaft verankert. Reparatur ist kein Nischenthema, sondern handfeste IT- und Ressourcenpolitik.

Programm
Delphi Saal
15:15
15:15
30min
Kaffeepause

Get together mit Heißgetränken und guten Keksen.

Pause
Delphi Saal
15:45
15:45
45min
Verleihung Weizenbaum-Studienpreise
Stefan Hügel

Verleihung Weizenbaum-Studienpreise

Programm
Delphi Saal
16:30
16:30
45min
FIfF-Jahresrückblick 2026
Stefan Hügel, Rainer Rehak

FIfF-Jahresrückblick 2026

Programm
Delphi Saal
17:30
17:30
60min
Abendessen

Veganes Abendessen in jedem Ticket enthalten.

Pause
Delphi Saal
18:30
18:30
45min
Autonomie, Autarkie, Ataraxie, Antipolitik - Anarchistische Organisierung im Wandel der Zeit - Erfahrungen, Analyse, Konzepte
Ulrike Menne, Jens Hunger

In einem Vortrag (25 min) wollen wir unsere Erfahrungen mit analoger und digitaler anarchistischer Organisierung aus 35 Jahren anhand ausgewählter Beispiele reflektieren und damit die zugrundeliegenden Konzepte hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit einordnen. Anschließend wollen wir darüber auch in den Austausch kommen und Ansätze für Weiterentwicklungen diskutieren (20 min). Dabei möchten wir den Fokus unter Anderem darauf legen, wie sich analoge Organisierung mit der digitalen Entwicklung verändert hat und was sich daraus für den weiteren Digitalisierungprozess lernen lässt.

Programm
Delphi Saal
19:30
19:30
45min
Back 2 the Future – Raus aus der Dystopie
Scherrie, Stefan Ullrich

Leser*innen von SciFi und Fantasy fragen sich inzwischen regelmäßig, ob sie nicht fälschlicherweise in ihrer Lieblingsdystopie aufgewacht sind: Überwachungstechnik und Predictive Policing, manipulierende Algorithmen und und frei-drehende KI-Agenten wollten wir eigentlich nur aus 1984, „Schöne Neue Welt“ und Minority Report erfahren. Jetzt sehen wir aber, wie Technik entwickelt und teilweise als Heilsversprechen für eine bessere Zukunft verkauft wird. Eigentlich fehlt nur noch der Todesstern, um die Liste abzuschließen. Nun könnten wir die Decke über den Kopf ziehen und uns in eine glückliche Fantasy-Welt träumen, in der Ringe vernichtet oder Kinder durch Schränke klettern. Oder wir erträumen uns selbst eine Welt, in der wir die Probleme des Jetzt lösen können, ob mit oder ohne technische Hilfsmittel sei dahingestellt. Wir wollen daher überlegen, wie eine mögliche Zukunft aussehen kann und wie man diese mittels einer Zukunftsreise erreichen kann. Dabei suchen wir mit den Teilnehmenden nach den notwendigen Akteuren und Stellschrauben, die für die Erreichung notwendig sein werden. Unser Ziel: Einen (vagen) Fahrplan Richtung Utopia entwickeln.

Programm
Delphi Saal
20:30
20:30
75min
Live-Musik: Gabis Kleine Kneipe
Gabis kleine Kneipe

Postmoderner Chanson und Gossenbossanova, mit Anklängen an die goldenen 20er, mit Texten aus dem depressiven frühen 21. Jahrhundert, wie Brecht und Ketamin.

Kultur
Delphi Saal
09:30
09:30
30min
Ankommen
Paula Menzel

Wiedersehen am Sonntag früh mit Kaffee und den besten Keksen der Stadt.

Pause
Delphi Saal
10:00
10:00
45min
Wege in den wehrhaften Journalismus
Nadia Zaboura

Das Erstarken vom Faschismus und der AfD stellt den Journalismus vor Herausforderungen. Zu meistern sind diese nur mit antifaschistischem Journalismus.

Programm
Delphi Saal
10:45
10:45
45min
templateZV - Partizipatives Resilienzformat für zivile Verteidigung in Kommunen
Sabine Griebsch / eGouvernante

Zivile Verteidigung ist eine gesamtstaatliche, aber kommunal umgesetzte Aufgabe – und hängt an der oft übersehenen digitalen Handlungsfähigkeit der Verwaltung, ohne die keines der vier Felder ziviler Verteidigung funktioniert. Aktuelle Zahlen zu Schwachstellen, Cybercrime und Ransomware-Angriffen belegen die Dringlichkeit, ohne dass daraus bislang systematisch Konsequenzen abgeleitet werden. Der Vortrag schlägt dafür ein partizipatives, dreiphasiges Dialogformat vor (Lagefeststellung, Risikobewertung, prototypische Umsetzung), das auf den Prinzipien Resilienz, Vigilanz und Bottom-up-Innovation beruht und Wissenschaft, Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft systematisch zusammenbringt. Die zugrunde liegende Haltung: Resilienz ist keine Ausnahmeaufgabe, sondern gelebte Daseinsvorsorge, die nur durch geübte Praxis, Evidenzbasierung, Subsidiarität und strukturelle Lernfähigkeit trägt – Vorbereitung statt Improvisation als Maßstab staatlicher Handlungsfähigkeit. Daraus resultieren Forderungen an Verwaltung, Gesetzgebung sowie Wissenschaft und Praxis, solche Formate zu verstetigen und in verbindliche Standards zu überführen.

Programm
Delphi Saal
11:30
11:30
15min
Flammender Aufbruch
Rike Hildebrandt

Flammender Aufbruch

Programm
Delphi Saal
11:45
11:45
15min
Verschnaufpause

Verschnaufpause

Programm
Delphi Saal
12:00
12:00
120min
Mitgliederversammlung

Mitgliederversammlung

Programm
Delphi Saal